50 Jahre neue Liederhalle

 

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Liederhalle Nordeingang

Liederhalle Eingang Nordwest

Eingang Liederhalle

Kongresszentrum Liederhalle

Kongresshalle Ost

Liederhalle Nordwest/Boschareal

Liederhalle Suedwest

Liederhalle Sued

Liederhalle Suedost

Liederhalle Beethovensaal

Liederhalle Saalhinweis

Schubertbüste vor der Liederhalle

Neue Tafel für die Liederhalle
© Stuttgarter Liederkranz e.V.


Fotostrecke
:
Von der Liederhalle 1864 bis zur totalen Zerstörung 1943 - Notdürftiger Reparatur in den Nachkriegsjahren und ersten Chorproben in der Ruine - Wiederaufbau durch die Architekten Abel/Gutbrod 1956 - Heutiger Eingangsbereich - Liederhalle aus allen Himmelsrichtungen 2006.


50 Jahre neue Stuttgarter Liederhalle!

Donnerstag, 29. Juni 2006, 19 Uhr
Stuttgarter Liederhalle, Foyer Beethovensaal

Enthüllung der Bronzetafel zur Geschichte
der Stuttgarter Liederhalle


STUTTGARTER LIEDERHALLE
1864 - 1943 und  1956 - 2006

Text auf der Tafel
von Dr. Dieter Häussermann

Auf dem Platz des heutigen Konzerthauses Liederhalle ließ der Stuttgarter Liederkranz e.V. im 19. Jahrhundert unter seinem Vorsitzenden Professor Ludwig Blum die erste Stuttgarter Liederhalle nach den Plänen von Oberbaurat Christian Friedrich Leins errichten. Das Vorderhaus mit Konzert- und Probensaal sowie Gesellschaftsräumen wurde unter großer Anteilnahme von Bürgern aus Stuttgart und Umgebung am 11. Dezember 1864 eingeweiht. Im Jahre 1875 wurde das Bauwerk um den in strengem und edlem Renaissancestil gehaltenen großen Festsaal erweitert, der über eine unvergleichliche Akustik verfügte und 2500 Konzertbesuchern Platz bot. 1894/95 wurde als krönender Abschluss die „Große Konzertorgel“ im Festsaal errichtet, welche vom Orgelbaumeister Carl G. Weigle aus Stuttgart erbaut und als Meisterwerk deutscher Orgelbaukunst gepriesen wurde. Finanziert wurde der Bau der Stuttgarter Liederhalle durch Spenden von Mitgliedern des Stuttgarter Liederkranzes und einer einzigartigen Initiative Stuttgarter Bürger sowie mit einem Überschuss aus der Kollekte für das Schillerdenkmal, welches vom Verein 1839 der Stadt Stuttgart gestiftet wurde. Die Stuttgarter Liederhalle blieb das musikalische und kulturelle Zentrum Württembergs bis zu ihrer Zerstörung beim 12. Luftangriff auf Stuttgart in der Nacht zum 8. Oktober 1943.
Am 30. Dezember 1954, während der Amtszeit von Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett, veräußerte der Stuttgarter Liederkranz das Ruinengrundstück an die Stadt Stuttgart, mit der Maßgabe, dass an diesem Platz wieder ein Konzerthaus entstehen solle. Im Rahmen der festlichen Einweihung der neuen, nach den Plänen der Professoren Adolf Abel und Rolf Gutbrod erbauten Stuttgarter Liederhalle gab der Stuttgarter Liederkranz mit seinen Chören und den Stuttgarter Philharmonikern am 2. August 1956 sein erstes Konzert. Der Stuttgarter Liederkranz hat mit dem Schubertsaal, den Geschäfts- und Archivräumen sein eigenes Domizil in der Liederhalle und ist auf diese Weise bis heute und in Zukunft mit ihr verbunden.
Stuttgart, 29. Juni 2006



Amtsblatt Stuttgart, Nr. 29
Donnerstag, 20. Juli 2006


Kulturstätte edelsten Ranges
Die Stuttgarter Liederhalle wird 50 Jahre alt -
Tag der offenen Tür am Samstag, 22. Juli

Herbert von Karajan und Tina Turner, Maria Callas und Joe Cocker, Yehudi Menuhin und Marlene Dietrich - sie alle haben in den letzten 50 Jahren mit Ihren Auftritten in der "neuen" Liederhalle für große Konzertereignisse gesorgt. Als "eines der kühnsten Bauwerke moderner Architektur" wurde am 29. Juli 1956 die neue Liederhalle von Adolf Abel und Rolf Gutbrod eingeweiht.
Die hervorragende Akustik wurde zum Vorbild für viele Konzerthäuser.

Wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges schrieb der Stuttgarter Liederkranz einen Architekten-Wettbewerb zum Bau einer neuen Liederhalle aus. Die Architekten Rolf Gutbrod und Adolf Abel wurden mit den Entwürfen beauftragt. Sie verwendeten Materialien, deren Mix und Oberflächenbehandlung das neue Bauen der 50er Jahre charakterisieren.

Allerdings überstiegen die Kosten die finanziellen Möglichkeiten des Liederkranzes, so dass die Stadt Stuttgart einsprang und das "geglückte Wagnis", so ein Kommentar, auf sich nahm.

Im Januar 1955 fuhren die Baumaschinen auf dem Gelände der im Krieg zerstörten alten Liederhalle auf. Am 29. Juli 1956 wurde das "avantgardistische Auditorium", das einer Weltstadt Ehre macht", so die Los Angeles Times, eröffnet. Vor 2000 Gästen spielte das Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Karl Münchinger Werke von Bach. Ferdinand Leitner, der Generalmusikdirektor des Württembergischen Staatstheaters, dirigierte Carl Orffs "Carmina Burana".

Mittelpunkt der Kultur

Oberbürgermeister Arnulf Klett eröffnete die "Kulturstätte edelsten Ranges" als "Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Landeshauptstadt". Unter lang anhaltendem Beifall verkündete er zudem, dass der Platz um die Liederhalle fortan den Namen "Berliner Platz" tragen solle, als Bekenntnis zur eigentlichen Hauptstadt Deutschlands". Obwohl mancher Stuttgarter anfangs noch von einem "Musiksilo" oder "Betonbunker" sprach, wurde das "akustische Wunderwerk" national und international bald zu einer der bedeutendsten und richtungsweisenden Konzertbauten der Nachkriegszeit. Der weltberühmte Geiger Yehudi Menuhin lobte die Liederhalle als "akustisch hervorragend", und für Karl Münchinger hatte der Beethovensaal "die beste Akustik des Kontinents".

Hervorragende Akustik

Im Beethovensaal, der den Grundriss eines Konzertflügels hat, hört man Mozart und Schumann nicht in den üblichen vier Wänden, sondern in fünf und mehr. Raffiniert verschiebbare Holzverschalungen und verstellbare Deckenteile machden die Akustik geradezu sichtbar. Das architektonische Konzept nach den Grundsätzen des "organhaften Bauens" wurde, so Gutbrod und Abel , aus dem "musikalischen Gesetz des Kontrapunkts" entwickelt. Die drei Säle mit rund 2000, 750 und 350 Plätzen sind deshalb nicht nur in ihrer Größe differenziert, sondern auch in der Form der Baukörper und der Oberflächengestaltung mit unterschiedlichen Materialien völlig verschieden gestaltet - eine Symphonie von verschiedenen Raumformen, deren Ouvertüre das Foyer ist.

1991 kamen mit dem Hegelsaal mit knapp 2000 Plätzen und dem Schillersaal mit etwa 460 Plätzen zwie neue Bauten hinzu. Nach zweijähriger Sanierung der Liederhalle wurde der neue Gesamtkomplex Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle (KKL) 1993 in Betrieb genommen.


Alexander Reck



Amtsblatt Stuttgart, Nr. 29
Donnerstag, 20. Juli 2006


Wohnung des Volksgesangs

Ach, ich käme ja mit Freunden,/Ja, zu kommen wär Pflicht,/Aber solche
Sprünge leiden/Meine sanften Drachen nicht.
Als der Stuttgarter Liederkranz am 11. Dezember 1864 zur Eröffnung seiner Liederhalle an der Ecke Büchsen-/Militärstraße einlud, entschuldigte sich Ehrengast Eduard Mörike mit diesen Versen - wobei er mit den "Drachen" seine Schwester und seine Frau meinte.

Nach einem Festzug durch die Stadt begann der "Weiheakt" in der neuen, von Christian Leins innerhalb von zwei Jahren erbauten Liederhalle. Nach Festreden und einem gelungenen Konzert verwandelte sich die neue "Wohnung des Volksgesangs" in einen großen Bankettsaal, der im "Tageslicht der Gasbeleuchtung" erstrahlte.

Fast elf Jahre nach der Eröffnung wurde im Oktober 1875 ein großer, ebenfalls von Leins erbauter Festaal für rund 4000 Besucher eröffnet, der zu den größten und schönsten in Deutschland gehörte. Seine ungewöhnlich gute Akustik machte ihn bei Musikern und Sängern in ganz Europa bekannt.

Bei einem Bombenangriff wurde die alte Liederhalle im Oktober 1943 zerstört.

ar