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Pressestimmen 2001 | ![]() |
| Stuttgarter
Nachrichten v. 14.11.2001
Stuttgarter Erstaufführung: Verdis "I Lombardi alla prima crociata" mit dem Stuttgarter Liederkranz in der Liederhalle Mit Temperament und Transparenz zugleich Als sowohl logistisch wie musikalisch höchst gelungenes Großprojekt kann der Stuttgarter Liederkranz seinen Beitrag zum Verdi-Jahr in die Vereinsgeschichte eintragen: Das Opernfrühwerk "Die Lombarden" fand am Sonntag als Stuttgarter Erstaufführung im dicht besetzten Beethovensaal der Liederhalle eine begeisterte Aufnahme. VON WOLFGANG TEUBNER Vielleicht bedarf es eines solchen Anlasses wie des 100. Todestages, um ein Herz auch für den frühen Verdi zu entdecken. In den Opernhäusern Italiens und Deutschland tut man sich schwer, Werke wie "Der Korsar", "Attila" oder "Stiffelio" auf die Bühne zu bringen. Allein der "Nabucco" hat wegen seines Ohrwurmes (Gefangenenchor) besondere Lebendigkeit, wenn einem auch die so verschiedenen Handlungsstränge zwischen Liebe, Eifersucht, Rache und Patriotismus eher fremd und im Zusammenhang unverständlich bleiben. Das ist bei den "Lombarden auf ihrem ersten Kreuzzug" nicht anders. Hier gibt es Mord und Verzweiflung aus Liebe in Kombination mit politisch deutbaren Stellen. Trotz der Inhaltsangabe im Programmheft blieb einem die "Handlung" in der italienisch gesungenen, konzertanten Fassung weit gehend verschlossen. Die Aufführung konzentrierte sich auf die Musik, und da fügte sich alles nach Verdischer Manier zum tönenden Bewusstseinsstrom, zur großen Opernplastik zusammen. Höhepunkt ist hier der Sehnsuchtschor "O Signore dal tetto natio", wie überhaupt der Chor zum Hauptträger des Geschehens wird. Ulrich Walddörfer ist es gelungen, seine rund 200 Sängerinnen und Sänger der Konzertchöre zu einem mit Volumen und hellhöriger Disziplin singenden Instrument zusammenzubinden. Er forderte ihnen viel Beweglichkeit und Einsatz ab, Temperament und Transparenz zugleich. Selbst kämpferisch-trotzige und tänzerisch-leichte Partien kamen überzeugend ins Spiel, neben der klangschönen Kantabilität. Hinter der Wirkung des Chores traten die Einzelcharaktere weit gehend zurück. Mit der amerikanischen Sopranistin Helen Bickers (Giselda) und dem italienischen Tenor Maria Carrara (Oronte) waren jedoch zwei Stimmen gewonnen worden, die die Aufführung zum Erlebnis machten. Ihnen gelang es mühelos, sich über Chor und Orchestertutti hinwegzusetzen. Die tiefen Stimmen von Carmen Mammoser (Viclinda und Sofia) sowie des kurzfristig eingesprungenen Bassisten Pawel Izdebski (Pagano) taten sich im Vergleich schwerer, den Raum zu füllen, ließen aber an dramatischer Eloquenz nichts vermissen. Mehr deutsches Oratorium als italienische Oper lieferten Heiko Börner (Arvino), Martin Hausberg (Pirro und Acciano) sowie Jörg Aldag (Priore). Das groß besetzte Orchester rekrutierte sich vornehmlich aus Mitgliedern des Staatsorchesters Stuttgart, die natürlich ihren Verdi kennen und hier mit Sorgfalt und Intensität den Part ausfüllten. Beim frühen Verdi erlebt man eine ganze Reihe schematischer Klangbilder, die hier aber nicht zur Routine verkamen. Der aparte Rhythmus war belebt, die Effekte vordergründig ausmusiziert, solistische Hervorhebungen umrissscharf und eindringlich gezeichnet. Besonders Konzertmeister Joachim Schall zeigte bei den Soli im dritten Akt virtuoses Können. Ulrich
Walddörfer schlug exakt und dennoch locker, auch die Tempowechsel
waren abgesichert und wohl bedacht. Ihm ist es gelungen, das Riesenopus
mit großer Ruhe auszubreiten und dennoch als vitaler Impulsgeber
die enorme Innenspannung bewusst zu machen. Viel Szenenapplaus, Ovationen
zum Schluss für eine Wiedergabe voller Temperament und Wärme.
Bietigheimer Zeitung v. 14.11.2001 Mit den Lombarden auf dem Kreuzzug Der Stuttgarter Liederkranz mit konzertanter Aufführung (sz)
So muss das Gefühl bei einer Oper sein: Mit der Musik alles vergessen,
in die Musik hineinschlüpfen, so dass man sich fühlt, als sei
man mit Pagano und Arvino und den anderen Lombarden gemeinsam auf Kreuzzug
durch das Heilige Land.
Stuttgarter Zeitung v. 13.11. 2001 ... Mario Carrara, ein Tenor, der stilvoll phrasieren kann, betörende hohe Töne produziert und zwingend nuanciert singt. Nach dem kraftraubenden Duett mit Giselda scheidet er allerdings endgültig aus dem Leben, nicht ohne jedoch seinen Geist zu schicken, der die Kreuzfahrer zur letzten Schlacht führt. Hier findet sich das entzweite Brüderpaar wieder, Pagano bereut, Arvino verzeiht ihm, und beim trostreichen Anblick Jerusalems stirbt Pagano. Zu diesem überaus komplizierten Plot hat Verdi Musik gefunden, die sich über weite Strecken an Schematismen orientiert. Innige Gebete hie, patriotische Chöre da. Gerade der letzte Akt droht ausheutiger Sicht zum Kitsch zu verkommen, da kann sich das Orchester unter Leitung Ulrich Walddörfers noch so um Schmiss, Verve und das Verdi-typische "Ramtatatata" bemühen. Großes Lob jedoch gebührt dem Stuttgarter Liederkranz, speziell dem Herrenchor, der mit Eleganz und Leichtigkeit und schöner Klangfärbung seinen Part glänzend bewältigt. Lediglich der Frauenchor hatte zu Beginn der Aufführung noch mit Intonationsschwierigkeiten zu kämpfen. Von den Solisten ist neben dem Tenor vor allem die Sopranistin Helen Bickers in der Rolle der Giselda zu loben. Der Tenor Heiko Börner wirkte als Arvino meist überfordert, die Stimme klang matt und rau. Ähnliches galt auch für den kurzfristig eingesprungenen Pawel Izdebski, der als Pagano mit den Höhen seine liebe Mühe hatte. Zu loben sind noch Carmen Mammoser und Martin Hausberg, die ihre Nebenrollen mit schönen Stimmen erfüllen. Von
Markus Dippold
Stuttgarter Wochenblatt
v. 7.11.2001
Chordirektor
Ulrich Walddörfer gab drei Wochen vor der konzertanten Aufführung
der Oper, „I Lombardi alla prima crociata” von Giuseppe Verdi, ein ausführliches
Interview. Er erklärt, wie er bei solchen Projekten vorgeht und gibt
Auskunft über seine Arbeitsweise und Ziele mit den Chören, die
er leitet und warum er als Operndirigent gerne Amateurchöre dirigiert.
Hier geht es vor allem um die Konzertchöre Stuttgarter Liederkranz
und deren stimmliches Potenzial. Er schildert außerdem seine eigene
musikalische Entwicklung und wie Musik zuerst seine Freizeit ausfüllte,
bis allmählich der Entschluss reifte, Musiker zu werden. Eine Zusammenfassung
des Gesprächs erschien am 7. November im Stuttgarter Wochenblatt in
den Ausgaben Mitte/Süd und Norden/West.
Herr
Walddörfer, wie geht es Ihnen jetzt, nach der Chorprobe mit den Männern,
drei Wochen vor dem großen Herbstkonzert?
Wie sieht
Ihr Tagesprogramm zur Zeit aus?
Wie läuft
die Bearbeitung eines so großen Musikwerkes, wie die Lombarden von
Giuseppe Verdi, womit beginnt Ihre Arbeit nach der Wahl eines Stückes?
Was möchten
Sie bei den Lombarden besonders heraus arbeiten, welche Klangfarben, welche
Stimmung möchten Sie erzeugen?
In den
solistischen Partien wurzelt dieses Frühwerk Verdis noch stark in
der italienischen Belcanto-Tradition eines Donizetti oder Bellini: virtuose
Gesangslinien über einer relativ schematischen Orchesterbegleitung.
Che mai non furono di Dio parole Quelle onde gli uomini sangue versar. - Denn es waren niemals Gottes Worte an die Menschen, diese Fluten von Blut zu vergießen. No , Dio nol vuole, no, Dio nol vuole Ei solo di pace scese a parlar Nein, Gott will es nicht, Er kam nur zur Erde, um Frieden zu verkünden. „ Meine Stellen“ sind derzeit Giseldas Gebet aus dem ersten Akt und der Beginn des dritten Aktes mit der Chorszene „Gerusalem“, wenn die Kreuzfahrer erstmals das Ziel ihrer Träume, nämlich die Heilige Stadt vor Augen haben. Nach
den Ereignissen der letzten Wochen wurde der Begriff Kreuzzug aus dem historischen
Kontext in unsere Zeit geholt. Hat sich Ihr Gefühl, Ihre Beziehung
zu diesem Werk seitdem verändert? Wenn ja, wie?
Wie sieht
die Orchesterarbeit mit dem Liederkranz-Orchester in Zeiten der Konzertvorbereitungen
aus?
Welche
Prioritäten setzen Sie bei der Arbeit mit Ihren Chören?
Wo sehen
Sie beim Liederkranz Entwicklungsmöglichkeiten?
Sie waren
Operndirigent und bewarben sich um die Leitung eines Amateurchores, warum?
Was sind
die Hauptunterschiede zwischen Amateurchor und professionellem Chor?
Welche
Ihrer Erwartungen erfüllten sich, welche Entwicklungen brauchen länger
als Sie annahmen, welche Ansprüche an den Chor sind nicht zu
realisieren?
Der Liederkranz
hat eine lange Tradition, schauen Sie in diese Geschichte hinein, um die
jeweiligen Ansatzpunkte für notwendige Veränderungen herauszufinden,
die Ihre Vorgänger zum Erhalt des Chores im Lauf der Zeiten gewählt
haben?
Sie führen
die Chöre und das Orchester des Liederkranzes in die Zukunft. Wie
sieht dieses eigene Profil in Ihrer Vorstellung aus? Wo ist das Ziel der
Stuttgarter Konzertchöre des Liederkranzes mit seinem Orchester? Wo
sehen Sie deren Platz in der Gemeinschaft der Chöre und in dieser
Stadt?
Wann
und wie stellten Sie das erste Mal fest, dass Musik Ihnen mehr bedeutet
als den meisten Menschen um Sie herum und wann wussten Sie, Musik bestimmt
mein Leben?
Erfuhren
Sie von Ihrer Familie eher Unterstützung oder eher Misstrauen, nachdem
Sie den Beruf Musiker gewählt hatten?
Haben
Sie Ihre Berufswahl jemals bereut?
Welches
Ansehen genießen Dirigenten von Amatuerchören bei Kollegen und
den vereinzelt gesichteten Kolleginnen?
Warum
gibt es Ihrer Meinung nach so wenige Frauen am Pult?
Was macht
Musik mit Menschen?
Gibt
es Tage an denen Sie sich nicht mit Musik beschäftigen?
Sie hätten
drei Wünsche frei:
Herr
Walddörfer, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Nürtinger Zeitung v. 15.5.2001 Beseeltheit
und Homogenität prägten den
Ein Beitrag für die Nürtinger Stadtkirche: Benefizkonzert des Stuttgarter Liederkranzes mit Chor und Orchester in der Stadthalle NÜRTINGEN (itt). Wenn Johann Sebastian Bach, der Erzvater der Musik, über die Alpen und nach Süden blickte, was er gerne tat, war Pergolesi eine der Größen, die es zu beachten galt - jener Pergolesi, mit dessen "Stabat Mater" der Stuttgarter Liederkranz am Samstag in der Stadthalle sein Benefizkonzert zu Gunsten der Nürtinger Stadtkirche eröffnete. Man müsste das "Stabat Mater" ein Spätwerk des Komponisten nennen, wenn man nicht wüsste, dass Pergolesi ganze 26 Jahre alt geworden ist. Die Zukunft, die vor ihm lag, wurde von einem unbegreiflichen Schicksal jäh abgeschnitten. Wie lebendig seine Musik noch ist, verdeutlichten das Orchester des Liederkranzes und der überaus stattlich besetzte Frauenchor mit weich strömender Fülle. Der Chor erwies sich trotz zahlenmäßiger Stärke als eine schlanke und bewegliche Gruppierung, leicht zu lenken und von bemerkenswerter Intonationssicherheit. Es war beeindruckend, wie locker und entspannt das klang, ohne dass deshalb auch nur einmal die Kontrolle entglitten wäre. Die Gelassenheit ausströmende Bewegungsökonomie bewirkte Dirigent Ulrich Walddörfer mit sicherer und entschiedener Zeichengebung. Der Dirigent der alten Schule ließ keine Zweifel an seinen Intentionen. Er weiß, was er will. Ohne alle Verkünstelungen schlägt er den Takt wie in den Zeiten, als man den Dirigenten noch einen Kapellmeister nannte. * Eindrucksvolles Volumen Die Solistinnen
standen an Beseeltheit und Homogenität nicht zurück.
Seinen Sinn für instrumentale und klangliche Valeurs, mit oft überraschenden Detailbelichtungen, unterstrich der Dirigent im "Sonnenhymnus" von Franz Liszt, einem Werk der Rückbesinnung der Kirchenmusik auf ihre liturgische Funktion. Liszt gab dem selten gespielten Werk insofern eine maskuline Note, als er im stimmlichen Bereich ausschließlich Männer einsetzt: Männerchor sowie Tenor und Bariton. Die mächtigen Männerchöre erinnern in ihrem gebändigten Gestus und den fahlen Anklängen auf eine merkwürdige Weise an die Chöre in der "Götterdämmerung", streng in der Schichtung der verschiedenen Figuren und Rhythmen. An einer Stelle lässt Liszt im organisch fließenden Orchesterklang plötzlich Vogelgezwitscher erklingen, Anspielung auf die bekannte Tierliebe von Franz von Assisi, der den "Sonnenhymnus" geschrieben hat. Der Tenor Nicolaj Lossifov ließ in der melodischen Ausformung seiner Soli unüberhörbar den Opernsänger erkennen. Selbst die klanglich verschatteten Passagen erfahren eine durchgehörte Helligkeit. Der junge Bariton Teru Yoshihara exzellierte mit einem runden, prägnanten, tragfähigen Ton. Keine intonatorische Trübung störte den schönen Gesamteindruck. Es ist ein kultiviert geführtes, wohllautendes Organ mit Schmelz und Kraft vor allem in den höheren Lagen. Jugendwerke sind interessante Studienobjekte. Zeigen sie schon die Handschrift des Meisters, sind sie ein Wurf ins Blinde oder weisen sie bereits keimhaft und in Kürzeln Themen auf, die später weiter entwickelt und auskomponiert zur vollen Blüte gebracht werden? Die "Messa di Gloria" von Puccini, den die Engländer gerne "the king of melody" nennen, ist ein Jugendwerk. Im Vergleich zu seinen späteren Opern mit ihren weit ausschwingenden Melodien ist es eine überraschend kompakt konzipierte Komposition mit kantiger Führung der chorischen Elemente und, bedenkt man das Gesamtwerk des Komponisten, erstaunlich zügigen Tempi. * Die Treibkraft von schmetterndem Blech Schon in diesem Frühwerk kündigt sich der Opernkomponist an. Gerne und ausgiebig bewegen sich die Stimmen zu dramatischen Tremoli im Orchester, Übervater Verdi huscht mit Marsch-Anklängen durch die Partitur und die Treibkraft von schmetterndem Blech führt den Chor zu mächtigen Ausbrüchen. Der Komponist hat in dem Werk noch nicht ganz seinen eigenen Ton gefunden, aber es lässt keine Zweifel an der Richtung, die er einschlagen wird. Der gemischte Chor des Liederkranzes, ein gewaltiges Ensemble, das selbst auf der großen Stadthallenbühne samt Vorbau kaum Platz fand, realisierte die "Messa" mit rauschender Emphase. Hier wurde jubilierend, mit Gusto und Verve Gottes Lob gesungen. Das Publikum, das etwas zahlreicher hätte kommen können, zeigte sich von dem Werk, dem das Spektakuläre nicht fremd ist, überaus angetan. Es gab Beifall, Blumen und nochmals Beifall. Der Verein, der in Stuttgart die erste Liederhalle baute, wird mit demselben Programm in Florenz gastieren, wie Liederkranz-Präsident Dr. Dieter Häussermann wissen ließ. Er dankte allen, die die Veranstaltung in Nürtingen ermöglichten, der Volksbank wie der Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Bachofer, aber auch den Sängern und Instrumentalisten, die ihre Freizeit einbrachten und sich zur Verfügung stellten. Dekan Hans-Martin Steck konnte noch an Ort und Stelle das geldwerte Resultat aus dem Konzert in Empfang nehmen. Es kommt der brandgeschädigten Stadtkirche zugute. Die Veranstaltung sei, meinte Hans-Martin Steck, ein Beispiel für Solidarität über Grenzen hinweg.
Ein Benefizkonzert für die brandgeschädigte Nürtinger Stadtkirche gab der Stuttgarter Liederkranz am Samstag in der Stadthalle. Die Konzertchöre des Vereins, sein Orchester und Solisten realisierten geistliche Werke von Pergolesi, Liszt und Puccini. Bei der Übergabe des Schecks, die sich an das Konzert anschloss, entstand auch die Aufnahme. Sie zeigt links Dekan Hans-Martin Steck, rechts Dr. Dieter Häussermann, Präsident des traditionsreichen Stuttgarter Liederkranzes. itt |
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