Pressestimmen 2004

STUTTGARTER NACHRICHTEN

Von Grabesdunkel überschattet
Dienstag, 9. November 2004


Stuttgarter Liederkranz im Beethovensaal. Franz von Suppe vertonte Possen und Volksstücke, und nicht zuletzt schuf er eine beträchtliche Anzahl spritziger Wiener Operetten. Aber auch "Seriöses“ floss aus seiner Feder, beispielsweise ein mittlerweile mehr oder minder in Vergessenheit geratenes Requiem. Im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle gab es jetzt ‑ den Sängern und Musikern vom Stuttgarter Liederkranz mit ihrem Dirigenten Ulrich Walddörfer sei Dank ‑ eine Wiederaufführung jener 1855 entstandenen „Missa pro Defunctis“ zu bewundern. Bei diesem Werk handelt es sich um eine romantische Todesdichtung, voll von Schwermut und Ängsten, deutlich geprägt von imposanten „Dies irae“ ‑Visionen und düster‑archaischer Fugenherrlichkeit. Entsprechend wuchtig und bedeutungsvoll artikulierten sich bei der Wiedergabe die zahlenmäßig ohnehin stark besetzten Konzertchöre und das Sinfonieorchester vom Stuttgarter Liederkranz. Doch es gab auch flüssig intonierte Sequenzen zu vernehmen, etwa die „Quam olirn Abrahae“‑Fuge oder das unmittelbar berührende „Agnus Dei „. Mit innigem Ausdruck sang im Übrigen Carmen Mammoser (Alt) das „Lacrimosa“ womit der Sängerin einer der bewegendsten Momente dieser Aufführung gelang. Eher pathetisch‑opernhaft tönte hingegen das „Hostias“, gesungen von Marcel Rosea (Bass). Die Solo‑Ensembles dominierte lrena Bespalovaite mit ihrem hellen, leuchtenden Sopran, dem später die Wiedergabe des Te Deum von Antonin Dvorák noch einige Glanzlichter verdankte. Viel Beifall im Beethovensaal.
Dietrich Röder


STUTTGARTER ZEITUNG

Abgekühlte Glut - Liederkranz im Beethovensaal
Dienstag, 9.November 2004

Die Unterscheidung zwischen E‑ und U‑Musik ist keine moderne Errungenschaft. Franz von Suppe wurde schon im 19. Jahrhundert ihr Opfer, denn von den geistlichen Werken des Operettenkomponisten mochte die Nachwelt nicht mehr viel wissen. In den letzten Jahren hat eine neue, in Stuttgart erscheinende Notenausgabe sein Requiem wieder in die Diskussion gebracht. Suppe mischte in seiner Totenmesse allerlei effektvolle Zutaten, von denen insbesondere die opernhafte ‚ltalianità Gegenwind der Kritiker auslöste. Diese Glut wollte Ulrich Walddörfer mit dem Stuttgarter Liederkranz und dem Staatsorchester. im sehr gut gefüllten Beethovensaal der Liederhalle allerdings nicht schüren und setzte wie auch in Antonin Dvoráks folgendem Te Deum auf eine ausgewogene, gediegene Wiedergabe. Die samtene Altstimme von Carmen Mammoser, von Suppe mit einer eindrucksvollen Arie bedacht, fügte sich am sichersten in diese unaufgeregte Interpretation ein.
jha



Stuttgarter Nachrichten  v. 26.7.2004

Männerstimmen gesucht
 
Der Stuttgarter Liederkranz wirbt in eigener Sache
 
"Viva la Musica" schallt es durch die weit geöffneten Fenster des Schubertsaals der Stuttgarter Liederhalle. Viva la Musica - es lebe die Musik. Der Stuttgarter Liederkranz lud am Wochenende zum traditionellen Kulturmarkt und hielt Fenster und Türen für jedermann weit geöffnet.

VON BRIGITTE JÄHNIGEN

"Wir freuen uns, dass es die Musik gibt, und deshalb lassen wir sie hochleben", sagt Chordirektor Ulrich Walddörfer und formiert mit leichter Hand gut 50 Sängerinnen und Sänger zum Kanonsingen. Die lassen sich nicht lange bitten und schmettern, was das Zeug hält. "Klingt ja schon fast richtig gut", spornt Walddörfer an, als dem Musica-Kanon die nächsten folgen. Da nicht wenige Kanons auf gleichen Harmoniefolgen aufgebaut sind, können sie - bei Wohlklang - zur gleichen Zeit gesungen werden. Und wenn dann jeder einzelne Kanon auch noch in mehrere Gruppen geteilt wird, erfordert das schon ein bisschen Konzentration vom einzelnen Sänger. Doch zum Glück haben sich die Damen und Herren vom Stuttgarter Liederkranz vorab bei der Dozentin und Opernsängerin Carmen Mammoser im Fach Stimmbildung "warm" gesungen.

Mit seinem Kulturmarkt wirbt der Stuttgarter Liederkranz in eigener Sache. Auch wenn der Traditionschor zurzeit über genügend Frauenstimmen verfügt und die Aufnahmekriterien deshalb ein wenig strenger als früher ausfallen, so fehlt es doch an männlicher Stimmsubstanz. "Da sind wir etwas gnädiger", sagt Walddörfer.

Mit einer "Schnupperprobe" am 21. September um 19 Uhr im Schubertsaal hofft der Dirigent auf männliche Verstärkung für das nächste Konzert, bei dem die "Missa pro defunctis" von Franz von Suppé und das "Te Deum op. 103" von Antonin Dvorák gesungen werden. Mit Freude denkt Walddörfer an die diesjährige Reise nach Krakau, bei der die Zuhörer beim geistlichen Konzert in der Katharinenkirche sogar "weinten".

 



Schwäbische Sängerzeitung Juni 2004

Konzertreise nach Krakow

Am 24. April. wenige Tage vor Polens Eintritt in die EU, gab der Stuttgarter Liederkranz in der Katharinenkirche zu Krakow ein Konzert.

Dank hervorragender Werbung des Katholischen Kulturvereins Krakow war das Konzert ausverkauft. Wir wurden herzlich empfangen und alles war bestens vorbereitet. Die Grußadresse des Präsidenten des Stuttgarter Liederkranz, Dr. Dieter Häussermann, rief bei Zuhörerrinnen und Zuhörern viele positive Reaktionen hervor: "Im Jahre 1832, nach dem November-Aufstand der Polen gegen das zaristische Russland, als viele Exil suchende Polen auch nach Stuttgart kamen und die Not groß war, gründete der Stuttgarter Liederkranz einen "Polen-Hilfe-Verein", um die im Exil lebenden Polen zu unterstützen. In jener Zeit erklang durch unseren damaligen Männerchor oft in vierstimmiger Weise der "polnische Nationalgesang" "Noch ist Polen nicht verloren". Es war sozusagen ein erster polnisch-deutscher "Kulturtransfer" in unserer Vereinsgeschichte. Für unsere Konzertreise in diesem denkwürdigen Jahr 2004 haben wir bewusst Ihre schöne Stadt Krakau mit ihrer bedeutenden europäischen Kultur und wechselvollen Geschichte gewählt. Mit dem Konzertprogramm, auf dem vorwiegend geistliche Werke europäischer Komponisten wie Donizetti, Liszt, Bizet und Beethoven stehen, versuchen wir erneut einen bescheidenen Beitrag zum deutsch-polnischen "Kulturtransfer" zu leisten. Mit unserem Konzert möchten wir uns aber auch in die Schar der Gratulanten zum Beitritt Polens in die Europäische Union einreihen. Dieses Ereignis von großer geschichtlicher Bedeutung in Europa werden Sie in einer Woche, am 1. Mai 2004, feiern. Hierzu gratulieren wir Ihnen herzlich mit einem "Glückauf" für Ihr Land und die polnische Nation. Aus diesem Anlass werden wir zum Schluss unseres Konzertes die "Europäische Hymne" nach der Melodie von Beethovens 9. Sinfonie und dem Text "Ode an die Freude" unseres Patrons Friedrich Schiller aus dem Jahre 1785 singen. Das Gedicht Schillers entsprang seiner idealistischen Vision der Menschen, die zu Brüdern werden - eine Vision, die Beethoven teilte. Freiheit - Frieden - Solidarität, für diese Werte steht die europäische Idee in unserer Zeit. Ich bin überzeugt, dass wir, insbesondere auch vor dem Hintergrund einer nicht immer einfachen Geschichte zwischen unseren Ländern, unsere gemeinsame europäische Zukunft nicht schöner als mit den Worten Schillers besingen können: Freude, schöner Götterfunken."

 



Stuttgarter Zeitung  v. 2.1.2004 (Ausschnitt)

Tausende haben im SI-Centrum, in der Liederhalle und im Maritim ins neue Jahr hineingefeiert. (von Christian Klenk):

Silvesterparty 2004 – mal ruhig, mal wild

Auch in der Liederhalle wird Reichhaltiges geboten. Die Speisekarte ist übersichtlich, lässt aber niemanden hungern. Doch während manche Band im SI-Centrum zu früher Stunde noch ein wenig lustlos spielt, hat der Liederkranz wieder ein glänzendes Programm organisiert.  Für 70 Euro Eintrittsgeld gibt es unter anderem zwei Showeinlagen mit Ray Lynch, Weltrekorhalter im Stepptanz, und Mark McClain, langjähriger Solist am Stuttgarter Ballett. Und die 1400 Gäste – der Ball war anders als in früheren Jahren nicht ausverkauft – müssen nicht einmal auf „Dinner for one“ verzichten. Lynch hat Freddy Frintons Klassiker für die Bühne umgeschrieben. Butler James muss nicht nur mit Miss Sophie anstoßen, sondern nach jeder Runde auch noch tanzen. „I will do my very best“ , sagt McClain – das tut er auch, finden die Zuschauer.

Während andernorts der Jahreswechsel lautstark begangen wird, kehrt in der Liederhalle besinnliche Stimmung ein: Kay Johannson spielt auf der Orgel „Nun danket alle Gott“ ,  und  die Glocken der Stiftskirche läuten vom Tonband ins neue Jahr. Später bestimmt Jürgen Hansel aus Stuttgart die 1046 zu seiner Glückszahl für 2004. Diese Losnummer hat ihm nämlich bei der Tombola den ersten Preis beschert: einen kleinen Lancia.

 



Stuttgarter Nachrichten  v. 2.1.2004 (Ausschnitt)

Nur Bestnoten vom Silvester-Tester

Schwofen und steppen: Ohne Hektik auf Stippvisiten bei großen Partys in der Stadt (von Hilmar Pfister):

Wir kennen die Klischees: Liederkränze seien nur ja was für ältere Menschen. Und die seien keine D-Züge und sollten alles etwas langsamer angehen. Einspruch! Zum Beweis schauen wir beim Jahreswechsel in der Liederhalle vorbei, begutachten den Silvesterball des Stuttgarter Liederkranzes. Jung und Alt rocken und schwofen gemeinsam im Takt, im Beethovensaal steppen Tänzergruppen, choreografiert von Ray Lynch. Eine ganze Menge Jugendlicher wagt sich aufs Tanzparkett, um sich sehen zu lassen bei diesem „gesellschaftlichen Ereignis für die Stadt“, wie Organisator Mark Durst sagt. Unser Silvester-Tester hätte zum Generationen-Mix auch noch was zu sagen: sehr gut.

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