Stuttgarter
Liederkranz mit Boito
Vom Klang weggeblasen
Stuttgarter
Nachrichten, 13.11.2007
Immer wieder versuchten sich Komponisten im 19. Jahrhundert an
Goethes "Faust". Auch Arrigo Boito, bekannt vor allem
als Librettist für Verdi, verarbeitete den Stoff in seiner
Oper "Mefistofele". Die Konzertchöre und Sinfonieorchester
des Stuttgarter Liederkranzes haben sich nun an das Werk gewagt
und dabei Beachtliches geleistet. Besonders der Prolog im Himmel,
bei dem Boito schon so auftrumpft,
wie es andere erst am Ende wagen, beeindruckt. Hier bieten Chor
und Orchester alles an Klanggewalt auf, um den Hörer geradezu
wegzublasen.
Vielen
Chorstellen im Stück hätte allerdings mehr Präzision
gut getan.
Zu oft wurde der Chor auch zu sehr vom Orchester verdeckt. Der Dirigent
Ulrich Walddörfer setzte deutlich auf Wirkung. So gelangen
die Massenszenen wie die lyrischen Soloszenen recht gut. Besonders
das Sterben Margaretes ist ergreifend schön. Doch wenn es um
den Wechsel von Chor und Soli geht, wenn die Musik szenisch interpretiert
werden müsste, fehlt die entsprechende Zuspitzung.
Bei
den Solisten überzeugt vor allem Barbara Dobrzanska als Margarete.
Sie hat etwas von der Naivität des Original-Gretchens, gleichzeitig
besitzt sie genug Kraft in der Stimme, um sich zu behaupten. Marcel
Rosca als Mefistofele bringt den schwarzen Bass und den nötigen
Sarkasmus für diese Rolle mit. Nur Stelian Negoescu, der vor
allem in der Höhe Schwierigkeiten hat, überzeugt als Faust
nicht.
Charmante
Abgründe
Boitos Oper "Mefistofele" konzertant im Beethovensaal
Stuttgarter Zeitung 13.11.2007
Arrigo Boito, der junge Wilde und verhinderte Gipfelstürmer
der italienischen Romantik, schaffte es mit "Mefistofele"
schließlich doch in die Nähe der Platzhirsche großer
italienischer Oper. Hin- und hergerissen zwischen literarischer
und kompositorischer Berufung, fehlte es dem begabten Librettisten
sicher nicht an Geschick in der Aufarbeitung der komplexen Faust-Legende
zum Opernstoff. Vielmehr offenbart seine Musik bis auf wenige dramatische
Höhepunkte, dass es in dieser formal neu angelegten Faust-Oper
eher brav als abgründig zugeht.
Immerhin,
zweite Reihe heißt nicht durchgefallen und so fand sich Boitos
Oper auf dem Programm des Stuttgarter Liederkranzes im Beethovensaal,
vielleicht auch weil konzertante Aufführungen von Raritäten
auf eine Großchorvereinigung, neben der ständigen Reproduktion
des Bekannten, belebende Wirkung haben. Ulrich Walddörfer führte
die Mitglieder des Staatsorchesters Stuttgart und die gut studierten
Chöre der Vaihinger Jugendkantorei und des Liederkranzes engagiert
und mit klar verständlichem Gestus zusammen. Nur manchmal fehlte
trotz großer Personenstärke die vokale Durchschlagskraft,
ohne deren Drall der italienischen Oper etwas fehlt.
Carmen
Mammoser als Marta und Pantalis und Robert Wörle als Wagner
und Nerèo erfüllten voll, was ihre kurzen Rollen forderten,
Barbara Dobrzanska vom Staatstheater Karlsruhe legte mit mancher
Schärfe in der Vokalisation, insgesamt zu kontrolliert die
an sich herzergreifenden Partien der Margherita und Elena dar. Enttäuschend
freudlos, ohne Passion und fern jeder sinnlichen Anwandlung sang
der Tenor Stelian Negoescu den Faust im vermeintlichen Widerstreit
von Gut und Böse. Allein Marcel Rosca, der Stimmbesitzer mit
Schliff und ein agiler Bühnenbösewicht mit ruppigem Charme,
funkelte seine mefistofelischen Umgarnungen und Fingerpfiffe wirkungsvoll
ins Publikum. Die Sympathien waren dem Versucher sicher.
Der Liederkranz gedenkt seiner Wurzeln
Ein Ständchen auf dem Hoppenlaufriedhof
zum 150. Todestag von Emilie Zumsteeg
Stuttgarter
Zeitung, 3. August 2007
Ohne
die Musikerfamilie Zumsteeg wäre der Stuttgarter Liederkranz
wohl nicht geworden, was er heute ist:
ein Kulturverein im besten Sinne. Das gilt vor allem für den
Frauenchor, der sich jetzt, seiner Gründerin Emilie Zumsteeg
erinnert hat. Vor genau 150 Jahren ist sie gestorben.
Angefangen
hat alles mit Johann Rudolf Zumsteeg. Der war ein Zögling auf
der Hohen Karlsschule, ein Jugendfreund Friedrich Schillers, ein
hochbegabter Musiker. Ende des 18. Jahrhunderts dirigierte er die
Hofoper, wurde deren Chef, ließ als Erster Mozarts Werke aufführen
und komponierte Opern, vertonte Texte von Schiller und vielen anderen.
Als "Tonsetzer" von vielerlei Balladen ist er in die Musikgeschichte
eingegangen. 1802, mit nur 42 Jahren, starb der "Mozart Württembergs",
wie man ihn nannte, plötzlich und hinterließ eine fast
mittellose Familie.
Mit Erlaubnis des Königs gründete Zumsteegs Witwe Luise
eine Musikalienhandlung, Sohn Gustav Adolphe und Tochter Emilie
unterstützten ie. Emilie, 1796 geboren, hatte das Talent des
Vaters geerbt, spielte glänzend Klavier und besaß, wie
die Zeitgenossen überliefert haben, eine schöne Altstimme.
Früh begann sie mit dem Komponieren, später wurde sie
Dirigentin und prägte das Stuttgarter Musikleben über
Jahrzehnte mit. Als 1824 der Stuttgarter Liederkranz gegründet
wurde, war ihr Bruder maßgeblich beteiligt, sie selbst gründete
1830 den Frauenliederkranz - eine ungewöhnliche Karriere für
eine Frau im 19. Jahrhundert.
Die Frauenforscherin Mascha Riepl-Schmidt hat sich mit Emilie Zumsteeg
intensiv befasst. In ihrem Buch "Wider das verkochte
und verbügelte Leben - Die Frauen-Emanzipation in Stuttgart
seit 1800" schreibt sie: "Diese Musikerin hat in unruhigen
politischen Zeiten, in denen das Leben schwierig und mühsam
war, den Mut gehabt, auch Frauen für die Musik zu begeistern
und ihnen hier ein Forum geschaffen." Weil die Frauen damals
nicht alleine in die Gasthäuser gehen durften, schon, gar nicht
mit fremden Männern, habe der Frauenchor seine Singstunden
im Ratssaal abgehalten. Seine Sängerinnen seien aus dem liberalen
Bürgertum gekommen, die Männer des Liederkranzes hätten
sie geschätzt - viele Chorwerke, etwa Handels "Messias",
habe man ohne die Frauenstimmen gar nicht aufführen können.
Emilie Zumsteeg dirigierte den Frauenchor, musste aber bei vielen
Auftritten häufig dem Hofkapellmeister Lintpaintner den Vortritt
lassen. Doch der Stuttgarter "Stadtrath" wusste, was er
an ihr hatte. 1841 schenkte er Emilie Zumsteeg eine wertvolle Brosche
und sandte ihr eine "Dankadresse", in der es heißt:
"Verehrtes Fräulein! Es ist dem Stadtrathe nicht entgangen,
wie Sie, seit einer langen Reihe von Jahren, sich um die Verbreitung
eines veredelten Gesanges bei einem ansehnlichen Teile der hiesigen
Einwohnerschaft verdient gemacht haben."
An ihrem 150. Todestag hat sich der Frauenchor des Liederkranzes
an ihrem Grab auf dem Hoppenlaufriedhof versammelt und Mozarts "Abendruhe"
gesungen. Im Schubertsaal der Liederhalle las Mascha Riepl-Schmidt
hernach aus ihrem Buch, dazu gaben Chor und Solisten einige Kostproben
aus dem Werk der Komponistin Emilie Zumsteeg. Das war erdenschwere,
melancholische Kost. Nur die "Polonaise a-Moll" fürs
Klavier klang ein wenig beschwingt.
Liederkranz
beim Papst
Amtsblatt
Stuttgart, 19.07.07
Seite
11
Die Konzertchöre Stuttgarter Liederkranz waren eingeladen
die Konzertreihe "Pro musica sacra" zu Ehren des 80.
Geburtstages von Papst Benedikt XVI. zu eröffnen.
Unter der Leitung von Ulrich Walddörfer musizierten der
Stuttgarter Liederkranz mit 200 Sängerinnen und Sängern
die "Messa da Requiem" von Giuseppe Verdi am 30. Juni
in der Basilika "San Paolo fuori le mura", einer der
vier Vatikan-Basiliken. Mit dabei waren das Orchestra Roma Symphonia
und weitere Musiker (insgesamt 72 Instrumentalisten) sowie die
Solisten Roxana Briban, Carmen Mammoser, Levent Gündüz
und Marcel Rosca.
Das Hauptschiff der Kirche "St. Paul vor den Mauern"
war mit 2000 Besuchern voll besetzt.
Bereits am 29. Juni begleitete der Stuttgarter Liederkranz die
"Messe, in der Papst Benedikt XVI. in zweistündiger
Zeremonie 48 neu ernannte Erzbischöfe aus allen Erdteilen
weihte.
sem
Ein Ständchen im Petersdom für den Papst
Hedelfingen:
Einmalige Konzertreise nach Rom für
Carmen Mammoser und Ulrich Walddörfer - Verdi-Messe
in Vatikan-Basilika gesungen.
Cannstatter/Untertürkheimer
Zeitung, 03.07.07
S.3
 |
Auch für die Solisten Levent Gundüz, Roxana
Briban, Carmen Mammoser, Dirigent Ulrich Walddörfer
und Marcel Rosca (von links)
war der Auftritt in der St.-Pauls-Basilika ein einmaliges
Erlebnis. |
Carmen Mammoser und Ulrich Walddörfer scheinen noch
immer zu schweben. In der Basilika "St. Paul vor den
Mauern" in Rom sang der Liederkranz Stuttgart, den
Walddörfer leitet, Verdis "Messa da Requiem".
Mammoser hatte die Partie der Mezzosopranistin. Tags zuvor,
an Peter und Paul, gestalteten sie die Papstmesse im Petersdom
mit. "Das erlebt man nur einmal im Leben."
Relativ
schnell kam Carmen Mammoser auf den Boden der Realität
zurück: Am Sonntag kehrte die Opernsängerin aus
Hedelfingen mit 200 Sängerinnen und Sängern des
Liederkranzes Stuttgart aus der Heiligen Stadt zurück,
am Montagmorgen saß die erfahrene Künstlerin
in der Jury zur Aufnahmeprüfung der Staatlichen Musikhochschule.
Dabei hatte Mammoser, der Liederkranz Stuttgart unter der
Leitung ihres Mannes und drei weitere Solisten zwei Tage
zuvor selbst ihr Meisterstück abgelegt: In der "Basilica
Papale di San Paolo Fuori le mura", einer der vier
Patriarchalbasiliken von Rom, begeisterten die Stuttgarter
am Samstag mit der "Messa da Requiem" von Giuseppi
Verdi mehr als 2000 Zuhörer, darunter etliche Würdenträger
des Vatikans. Mit stehenden Ovationen wurde die Aufführung
in der Basilika gefeiert. Die Stuttgarter hatten die Erwartungen
erfüllt. Schließlich wurden dem Liederkranz unter
Leitung von Walddörfer die Ehre zuteil, von der Associazione
Internazionale Amici Musica Sacra zum Konzert in der bedeutenden
Vatikanskirche eingeladen zu werden.
Bereits am Dienstag machte sich der Chor des Liederkranzes
plus Gastsänger auf den Weg zu einem einmaligen Erlebnis.
Nach dem ersten Tag der Akklimatisation und Stadtrundfahrt
in der Ewigen Stadt standen in den Folgetagen Proben an.
Zunächst einzeln mit dem Orchester "Roma Symphonia",
den Solisten und dem Chor erklärte Walddörfer
den Musikern seine Idee des Werkes und "spielte mit
dem unwahrscheinlichen Raum" in der Sankt-Pauls-Basilika.
"Sie ist 20 Mal größer als die Stiftskirche,
so dass man Klänge verschwinden und wieder erscheinen
lassen kann", ist er noch immer von der Akustik fasziniert.
Die Generalprobe war ungewöhnlicherweise - aber aus
gutem Grund - für den Morgen vor der Aufführung
vorgesehen.
Am Freitag, zum hohen vatikanischen Feiertag Peter und Paul,
durfte der Stuttgarter Chor die feierliche Papstmesse nämlich
mitgestalten. "Bischöfe aus aller Welt nahmen
daran teil", berichtet Walddörfer. Mit der "Laudate"
von Knut Nystedt eröffneten die deutschen Stimmen die
Messe und nach Ende der Zeremonie sangen sie den 100. Psalm
von Felix Mendelsson Bartholdy "Jauchzet dem Herrn
alle Welt". Im Schlussbild der Fernsehübertragung
schwenkte das "Radio Vatikan" vom Chor in den
Petersdom. Selbst für Nichtkatholiken war die Stimmung
im Petersdom beeindruckend, gibt Walddörfer die Reaktionen
der Chormitglieder wieder. Der Höhepunkt der von Schriftführerin
Ursula Strate und Geschäftsführerin Elisabeth
Ganzhorn organisierten Konzerttour sollte noch folgen: Die
Aufführung in St. Paul vor den Mauern. Am Samstagvormittag
die Generalprobe und um 21 Uhr der Auftakt zum Konzert.
Als Solisten hatte Walddörfer dei Sopranistin Roxana
Briban, den Tenor Levent Gündüz, den Bassist Marcel
Rosca und seine Frau Carmen Mammoser gewonnen. "Verdis
Messa da Requiem ist wie für die Mezzosopranstimme
meiner Frau geschrieben. Zudem gehört es zum Traum
jedes Solisten, in einer solchen Kirche eine Konzert zu
geben". In dieser geballten Form - an einem Tag bei
der Papstmesse im Papstdom mitzuwirken und tagsdarauf in
der Sankt-Pauls-Basilika zu singen - ist sicherlich ein
Ereignis, das die Künstler nur einmal im Leben haben
werden.
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Der
Liederkranz Stuttgart mit vier Solisten und das Orchestra
Roma Symphonia führten in der St.-Pauls-Basilika
Verdis "Messe da Requiem" auf. Fotos:Tollnek
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von Mathias Kuhn
Der Liederkranz singt
für Papst Benedikt XVI.
Stuttgarter
Zeitung, 23.06.07
Kultur
S.34
Was schenkt man einem Papst zum Geburtstag? Wenn er wie Benedikt
XVI. ein Freund der Musik ist: Musik. Das Radio-Sinfonieorchester
Stuttgart des SWR hatte die Ehre am 16. April, dem achtzigsten
Geburtstag selbst, ein Konzert im Vatikan zu geben. Nun reisen
die Konzertchöre Stuttgarter Liederkranz vom 26. Juni bis
1. Juli nach Rom, um zweimal zu Ehren des Papstes zu singen.
Am Samstag, dem 30. Juni, eröffnen sie die Konzertreihe
"Pro musica sacra", mit der der Geburtstag des Heiligen
Vaters gefeiert wird, mit einer Aufführung von Giuseppe
Verdis Messa da Requiem in der Basilika San Paolo fuori le mura
- 4000 Besucher werden zu dem Konzert erwartet. Ulrich Walddörfer
leitet 170 Sängerinnen und Sänger und das Roma Sinfonia
Orchestra. In Anwesenheit von Papst Benedikt XVI. werden die
Stuttgarter am Tag vorher die morgendliche Heilige Messe im
Petersdom musikalisch ausschmücken mit Werken von Felix
Mendelssohn, Camille Saint-Saens und Knut Nysedt.
StZ
Zu Ehren des Papstes
Stuttgarter Ensemble in Rom
Stuttgarter
Nachrichten, Montag, den 16. April 2007
Heute,
am Tag des 80. Geburtstags von Papst Benedikt XVI., gibt das Radio-Sinfonieorchester
Stuttgart im Vatikan ein Konzert zu Ehren des deutschen Papstes
in dessen Anwesenheit. Das Konzert unter der Leitung von Gustavo
Dudamel mit der Solistin Hilary Hahn wird von 18 Uhr an live gesendet
auf dem Hörfunkprogramm SWR 2 sowie auf dem Fernsehkanal 3
Sat. Gespielt werden unter anderem Antonin Dvoráks neunte
Sinfonie "Aus der Neuen Welt" sowie das Violinkonzert
Nr.3 von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Konzert wird europaweit übertragen.
Auch die Chöre des Stuttgarter Liederkranzes machen sich auf
den Weg nach Rom. Am 30. Juni eröffnen sie dort mit 170 Sängerinnen
und Sängern die Reihe "Pro musica sacra" in der Basilika
Sankt Paul vor den Mauern. Diese Konzertreihe, die im Oktober von
den Wiener Philharmonikern beschlossen wird, steht ebenfalls im
Zusammenhang mit den musikalischen Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag
des Papstes. Ulrich Walddörfer dirigiert Verdis "Messa
da Requiem". Es werden bis zu 4000 Besucher erwartet.
StN
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